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„2016 wird ein aufregendes Kartoffeljahr!“

Gesendet an 06/05/2016

André Broeze, Kartoffelerzeugerausschuss Oost-Flevoland: Ich glaube, dass 2016 für den niederländischen Kartoffelanbau ein aufregendes Jahr wird. Und zwar nicht, weil das Frühjahr nun schon ein ganzes Stück fortgeschritten ist und im Land noch viel passieren muss. Nein, mir geht es um das, was ich in unseren Nachbarländern sehe.

Es vollziehen sich verschiedene Entwicklungen, die die Führungsposition der Niederlande als "Kartoffelland" anzutasten beginnen. Sowohl bei den Landwirten als auch bei den Verarbeitungsbetrieben. So wird die Anbaufläche in Belgien und Nordfrankreich voraussichtlich erheblich erweitert, um den Kapazitätszuwachs der verarbeitenden Industrie in Belgien auslasten zu können. Darüber hinaus versuchen die belgischen Verarbeitungsbetriebe mit attraktiven Verträgen Zulieferer im Süden der Niederlande zu gewinnen. Die Verarbeiter, die in diesem Gebiet traditionell stark vertreten sind, spüren die zunehmende Konkurrenz und orientieren sich ihrerseits weiter nach Norden. Wie gehen die niederländischen Verarbeitungsbetriebe mit diesen Entwicklungen um? Wie können sie sich dagegen wappnen, ohne einander im Weg zu stehen? Oder ergeben sich daraus für die niederländischen Kartoffelanbauer vielleicht sogar Chancen? Wenn die Zahl der Nachfrager steigt, kann sich das für die Anbauer schließlich günstig auf die Preise auswirken.Andre

Was wir unbedingt beibehalten müssen, ist die Fokussierung auf Qualität. Die niederländische Kartoffelindustrie hatte ihren bisherigen Erfolg nicht nur der Maßstabsvergrößerung, sondern in mindestens demselben Maße der Lieferung guter Qualität und eines hohen Mehrwerts zu verdanken. Dabei spielten auch wir als Züchter eine wesentliche Rolle.

Von den Milchviehhaltern lernen

Als Ackerbauern sind wir von Natur aus geneigt, ständig unsere Anbauflächen zu erweitern, aber ich frage mich, ob diese Flächenerweiterung für die Niederlande wirklich der richtige Weg ist. Natürlich ist es auf größeren Flächen einfacher, zu niedrigeren Selbstkosten zu produzieren. Dem gegenüber stehen aber Entwicklungen, wie sie sich momentan beispielsweise in der Molkereiwirtschaft vollziehen. Hier haben sich die Tierhalter jahrzehntelang vor allem auf das Wachstum der Produktion konzentriert und sich, wie ich meine, zu wenig am Markt orientiert.

Jetzt erzielen sie infolge des aktuellen Überangebots dramatisch niedrige Preise. Sie haben hohe Investitionen in die Produktionskapazität getätigt und werden nun auch noch mit den Folgen der Phosphatregelung konfrontiert, die den Phosphatausstoß der Milchviehbetriebe begrenzen soll. Dadurch sind sie in ihrer Existenz stärker bedroht denn je. Diesen Weg wollen wir doch nicht auch einschlagen? Wir dürfen uns nicht auf einen Abwärtswettlauf einlassen, in dem der Anbau von Kartoffeln für Pommes frites ein Massengeschäft wird, in dem sich kaum mehr als die Selbstkosten erwirtschaften lassen. Darüber hinaus muss sich die verarbeitende Industrie bewusst werden, dass sich ein Flächenwachstum nicht ohne Weiteres überall in den Niederlanden realisieren lässt. Auf den lehmreichen Anbauflächen müssen die Kartoffeln für Pommes frites immer stärker mit anderen Kulturpflanzen konkurrieren. Und auch in den Sandgebieten wird der Druck seitens anderer Sektoren immer stärker. Unsere Kraft liegt in unserem Mehrwert. Und so sollte es meiner Meinung nach auch bleiben. Das ist aber nur in engem Schulterschluss zwischen Industrie und Landwirtschaft realisierbar. Wer einen Mehrwert realisieren will, muss die Zusammenarbeit suchen. Darum sollten wir die geschilderten Entwicklungen in erster Linie als Chance begreifen. Dann können wir später vielleicht feststellen, dass 2016 nicht nur ein aufregendes, sondern auch ein sehr inspirierendes Jahr war.

Quelle: http://www.avikopotato.nl/nl/atc/atc-column/383-2016-wordt-een-spannend-aardappeljaar